Fachvortrag der Firma Schaumann
Rund 100 interessierte MilchviehhalterInnen, AbsolventInnen sowie Fachschüler folgten der Einladung zum Fachvortrag an der Landwirtschaftlichen Fachschule Vöcklabruck und der Firma Schaumann. Im Fokus standen aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze in den Bereichen Grünlandbewirtschaftung, Grundfutterqualität und Silierung. Referenten aus Praxis, Beratung und Forschung vermittelten dabei wertvolle Impulse für eine leistungsfähige und zukunftsorientierte Milchviehhaltung.
Der Vortrag von Harmen van der Sluis verdeutlichte die zentrale Bedeutung der Grünlandbewirtschaftung für eine wirtschaftliche Milchproduktion. Das international tätige Saatgutunternehmen Barenbrug stellte seine langjährige Erfahrung in Züchtung, Forschung und Saatgutproduktion vor, mit besonderem Augenmerk auf standortangepasste Sorten. Aufgrund der stark variierenden Klimazonen in Europa erfolgt die Sortenentwicklung bewusst regional, um Ertragssicherheit und Futterqualität langfristig zu gewährleisten.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Biodiversitätsmischungen mit Kräutern und Leguminosen, die zur Steigerung der Stickstoffeffizienz, der Rohproteinversorgung sowie der Bestandsstabilität beitragen. In Zusammenarbeit mit Schaumann werden in Österreich entsprechende Grünland- und Zwischenfruchtmischungen angeboten.
Die Züchtung einer neuen Grassorte nimmt dabei viel Zeit in Anspruch: Sie dauert mindestens 16 Jahre, im Durchschnitt sogar rund 20 Jahre – von der ersten Kreuzung bis zur marktfähigen Sorte inklusive Vermehrung und mehrjähriger offizieller Sortenprüfung. Anhand von Versuchs- und Praxisdaten wurde aufgezeigt, dass moderne Sorten trotz höherer Saatgutkosten Mehrerträge, eine bessere Verdaulichkeit und eine höhere Futtereffizienz ermöglichen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Milchproduktion unter sich verändernden Klima- und Düngebedingungen.
Im Anschluss berichtete Ewald Kramer über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Siliermittel-Forschung. Als langjähriger Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung erläuterte er den mehrstufigen, bis zu zehn Jahre dauernden Entwicklungsprozess neuer Siliermittel – von der Stammselektion über umfangreiche Praxisversuche bis hin zu externen Prüfungen. Vorgestellt wurden drei neue Bakterienstämme mit hoher Clostridienhemmung, verbesserter Gärstabilität und hoher Hitzetoleranz, die im Produkt Bonsilage® Forte 2.0 kombiniert werden. Feld- und Laborversuche zeigten deutlich niedrigere pH-Werte, reduzierte Ammoniak- und Buttersäuregehalte sowie geringere Trockenmasseverluste.
Neben einer verbesserten Silage- und Futterqualität tragen moderne Siliermittel auch zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks bei. Untersuchungen auf Praxisbetrieben belegen geringere Gärverluste und messbare Emissionsminderungen pro Kilogramm Milch. Fazit: Innovative Siliermittel steigern Effizienz, Tierleistung und Nachhaltigkeit in der Milchproduktion.
Im Rahmen der Betriebsvorstellung erläuterte Götz Resenhöft, Geschäftsführer von Gut Hülsenberg, die Rolle des Betriebs als landwirtschaftlicher Praxis- und Versuchsbetrieb innerhalb der Hülsenberg Holding und der Firma Schaumann. Seit 1953 steht der Standort für das Prinzip „Wissenschaft trifft Praxis“: Der Hof wird wie ein klassischer Milchviehbetrieb geführt, liefert gleichzeitig jedoch Daten zu Fütterung, Silage, Tiergesundheit und Biogas. Bewirtschaftet werden rund 800 ha, überwiegend auf schwächeren Böden, mit einem starken Fokus auf Grundfutterqualität, unterstützt durch Frischgras- und Maisproben zur Ernteplanung sowie intensive Zwischenfruchtbestände.
Im Milchviehbereich werden rund 220 Holstein-Kühe gehalten. Die Herdenleistung lag 2025 bei etwa 13.200 kg Milch mit verbesserten Inhaltsstoffen. Gemolken wird mit vier Lely-Robotern; aktuell liegt die Tagesleistung bei rund 40 kg Milch pro Kuh bei knapp drei Melkungen.
Die Fütterungsstrategie ist konsequent auf eine hohe Grundfutterleistung ausgerichtet. Der Kraftfutteranteil ist auf maximal 40 % der Trockenmasse begrenzt. Am Futtertisch stehen den Kühen etwa 22 kg Trockenmasse in Form einer ausgewogenen TMR zur Verfügung, ergänzt durch Roboterkraftfutter. Bis zum 93. Laktationstag erhalten die Tiere am Melkroboter fix rund 4 kg Kraftfutter pro Tag. Die Mineralstoffversorgung erfolgt vollständig über die TMR.
Besonderes Augenmerk gilt der Trockensteherfütterung, die zweiphasig umgesetzt wird. Dabei kommen eine gezielte DCAB-Steuerung sowie regelmäßige pH-Kontrollen zum Einsatz, um Stoffwechselstörungen vorzubeugen und optimale Voraussetzungen für einen gesunden Laktationsstart zu schaffen.
Auch das Fruchtbarkeitsmanagement ist auf Gut Hülsenberg klar leistungsabhängig ausgerichtet. Bei Färsen erfolgt die erste Besamung bei Milchleistungen unter 35 kg frühestens ab etwa 80 Laktationstagen, während bei Leistungen über 45 kg bewusst eine längere Wartezeit von rund einem halben Jahr eingeplant wird. Bei Kühen werden Tiere mit weniger als 45 kg Milchleistung ab etwa 80 Tagen besamt, während bei über 55 kg der Besamungszeitpunkt weiter nach hinten verschoben wird. Diese Vorgehensweise wird durch regelmäßige gynäkologische Kontrollen begleitet, um Fruchtbarkeit, Tiergesundheit und eine langfristig stabile Leistungsfähigkeit der Herde sicherzustellen.
